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Kopfschmerz durch Schmerzmittel: Wie der Teufelskreis entsteht

Frau am Küchentisch mit Kopfschmerzen, davor Wasserglas und Tablettenbox

Montag eine Tablette, Dienstag noch eine, am Donnerstag zwei, weil der Termin wichtig ist. Nach ein paar Wochen ist der Griff zur Packung Routine, und der Kopf tut trotzdem häufiger weh als früher. Genau so beginnt bei manchen Menschen ein Kreislauf, in dem das Schmerzmittel nicht mehr Teil der Lösung ist, sondern Teil des Problems.

Wie aus Hilfe ein Teufelskreis wird

Die Fachwelt spricht vom Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, früher auch „medikamenteninduzierter Kopfschmerz“ genannt. Er entsteht nicht bei jedem, der gelegentlich eine Tablette nimmt. Voraussetzung ist ein Kopfschmerzleiden, das schon vorher bestand, meist Migräne oder Spannungskopfschmerz. Kommt dazu über Monate eine zu häufige Einnahme von Akutmitteln, kann sich das Schmerzmuster verändern: Die Kopfschmerzen werden häufiger, oft fast täglich, und sprechen schlechter auf die Mittel an.

Warum das passiert, ist nicht vollständig geklärt. Vermutet wird, dass das Schmerzsystem im Gehirn bei ständiger Medikamentenzufuhr empfindlicher wird. Klar ist das Ergebnis. Der Schmerz kommt zurück, sobald die Wirkung nachlässt, man nimmt die nächste Dosis, und der Zyklus dreht sich weiter.

Ab wann es kritisch wird

Die internationale Kopfschmerzklassifikation ICHD-3 nennt klare Schwellen. Von Übergebrauch ist die Rede, wenn an mindestens 15 Tagen im Monat Kopfschmerzen bestehen und die Akutmittel über mehr als drei Monate zu häufig genommen werden:

  • an 15 oder mehr Tagen im Monat bei einfachen Schmerzmitteln wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen
  • an 10 oder mehr Tagen im Monat bei Triptanen, Opioiden, Mutterkornalkaloiden und Kombinationspräparaten

Gezählt werden Einnahmetage, nicht Tabletten. Eine Tablette an einem Tag zählt genauso wie vier. Wer also „nur eine“ nimmt, aber an jedem zweiten Tag, liegt schnell im Risikobereich. Kombinationspräparate, die mehrere Wirkstoffe oder zusätzlich Koffein enthalten, stehen dabei besonders im Blick.

Woran Sie es im Alltag merken

Ein Hinweis allein beweist nichts, mehrere zusammen sollten aber aufmerken lassen:

  • Sie wachen mit Kopfschmerz auf, ohne dass es dafür einen erkennbaren Grund gibt.
  • Die Kopfschmerzen sind in den letzten Monaten häufiger geworden, obwohl Sie mehr Tabletten nehmen.
  • Das Mittel wirkt kürzer oder schwächer als früher.
  • Sie nehmen Tabletten vorsorglich, aus Angst vor der nächsten Attacke.
  • Ohne Vorrat in der Tasche fühlen Sie sich unsicher.

Ob wirklich ein Übergebrauch vorliegt, lässt sich schwer aus dem Bauch heraus sagen. Hier hilft ein Kopfschmerzkalender, in dem Sie auch die Einnahmetage notieren. Nach vier Wochen sehen Sie schwarz auf weiß, wo Sie stehen.

Warum es so viele trifft, die nichts falsch machen

Hier liegt ein häufiges Missverständnis: Es geht nicht um Disziplinlosigkeit. Wer Migräneattacken hat, die einen Arbeitstag lahmlegen, greift früh und oft zum Mittel, weil das vernünftig erscheint. Dass gerade dieses Verhalten den Kopfschmerz langfristig anheizen kann, ist vielen nie gesagt worden. Auch frei verkäufliche Präparate sind nicht harmlos, nur weil sie keine Rezeptpflicht haben.

Oft steckt hinter dem Problem ein unbehandeltes Grundleiden. Wer seine Migräne nie gezielt vorbeugend behandelt hat, hat nur das Akutmittel als Werkzeug. Das lässt sich ändern.

Was der Weg hinaus meist umfasst

Die Behandlung gehört in ärztliche Hände, am besten zu Hausärztin, Neurologin oder in eine Kopfschmerzambulanz. Typischerweise besteht sie aus mehreren Schritten:

  1. Aufklärung. Schon das Verständnis des Mechanismus entlastet viele. In leichten Fällen kann es genügen, die Einnahme mit ärztlicher Begleitung zu begrenzen.
  2. Pause vom Übergebrauch. Das überbeanspruchte Akutmittel wird reduziert oder abgesetzt, nach Plan der Ärztin. Das ist der unangenehmste Teil: In den ersten Tagen kann der Kopfschmerz zunehmen, dazu kommen manchmal Übelkeit, Unruhe oder Schlafstörungen. Meist klingt das nach Tagen bis wenigen Wochen ab.
  3. Vorbeugende Behandlung. Die zugrunde liegende Migräne oder der Spannungskopfschmerz wird gezielt behandelt, damit weniger Attacken auftreten. Welche Therapie infrage kommt, entscheidet die Ärztin. Auch nichtmedikamentöse Verfahren wie Ausdauersport, Entspannungsübungen und Verhaltenstherapie gehören dazu.
  4. Nachbetreuung. Rückfälle sind möglich. Der Kalender bleibt deshalb dauerhaft ein nützliches Kontrollinstrument.

Wichtig: Setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenmächtig ab. Manche Mittel, vor allem Opioide, sollten nur unter ärztlicher Aufsicht reduziert werden.

Wie Sie dem Kreislauf vorbeugen

Ein paar Gewohnheiten schützen zuverlässig. Zählen Sie Ihre Einnahmetage und halten Sie sich an eine feste Obergrenze, die Sie mit der Ärztin absprechen. Nehmen Sie das Mittel früh in der Attacke, aber nicht „auf Verdacht“. Und sprechen Sie an, wenn Sie das Akutmittel öfter als zehnmal im Monat brauchen: Das ist ein Zeichen, dass die Vorbeugung angepasst werden sollte, nicht dass Sie öfter zur Tablette greifen müssen.

Wann Sie sofort zum Arzt sollten

Gehen Sie umgehend zum Arzt oder rufen Sie den Notruf 112, wenn:

  • ein Kopfschmerz schlagartig und so heftig wie nie zuvor einsetzt
  • Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen auftreten
  • Fieber mit Nackensteifigkeit dazukommt
  • der Schmerz nach einem Sturz oder Schlag auf den Kopf beginnt
  • Sie nach Einnahme größerer Mengen Schmerzmittel Magenschmerzen, schwarzen Stuhl oder Erbrechen von Blut bemerken

Auch wenn Kopfschmerzen erstmals nach dem 50. Lebensjahr auftreten oder sich über Wochen stetig verschlimmern, gehört das zeitnah abgeklärt.

Häufige Fragen

Kann ich vom Schmerzmittel abhängig werden?

Der Übergebrauch ist nicht dasselbe wie eine Sucht, kann aber mit starkem Drang zur Einnahme einhergehen. Bei Opioiden und bestimmten Kombinationspräparaten ist das Risiko höher. Sprechen Sie offen mit der Ärztin, sie hat dafür kein Urteil, sondern Lösungen.

Gilt die Grenze auch für Mittel aus der Apotheke ohne Rezept?

Ja. Entscheidend ist die Zahl der Einnahmetage, nicht die Rezeptpflicht.

Wie lange dauert es, bis die Kopfschmerzen besser werden?

Das ist individuell. Nach einer Phase mit vorübergehend stärkeren Beschwerden bessert sich der Zustand bei vielen innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten. Ihre Ärztin begleitet den Verlauf.

Lesen Sie auch

Dieser Artikel dient nur der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quellen

  1. Headache Classification Committee of the International Headache Society (IHS): The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition (ICHD-3). Cephalalgia 2018;38(1):1–211.
  2. DGN und DMKG: Leitlinie zur Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne (AWMF-Register-Nr. 030/057).