Die Praxis ruft an: Der Nüchternzucker war grenzwertig, jetzt soll noch ein Zuckerbelastungstest folgen. Wer das hört, stellt sich meist eine süße Brühe vor und fragt sich, ob das nötig ist. Es ist oft sinnvoll. Der Test zeigt, wie der Körper mit einer festen Menge Zucker zurechtkommt, und deckt Auffälligkeiten auf, die ein einzelner Nüchternwert verpasst.

Was der Test misst und warum er manchmal nötig ist
Beim oralen Glukosetoleranztest (oGTT) trinken Sie eine Zuckerlösung und lassen vorher und nachher Blut abnehmen. So sieht die Praxis, wie schnell der Blutzucker steigt und wie gut er wieder sinkt. Gesunde Zellen nehmen den Zucker mit Hilfe von Insulin auf. Läuft das nicht mehr rund, bleibt der Wert nach der Belastung zu lange hoch.
Der Nüchternwert allein kann täuschen. Manche Menschen haben morgens normale Werte, entgleisen aber nach dem Essen. Der Langzeitwert HbA1c wiederum glättet kurze Spitzen. Der oGTT ist deshalb eine Ergänzung, vor allem wenn die anderen Werte im Graubereich liegen. Wie HbA1c und Nüchternzucker zusammenspielen, steht im Beitrag zum HbA1c-Wert.
Die Vorbereitung: Was die Tage davor zählt
Ein Test, der falsch vorbereitet ist, liefert Werte, die in die Irre führen. Drei Dinge sind wichtig.
- Essen Sie in den Tagen vorher normal, auch Kohlenhydrate. Wer vorher streng Kohlenhydrate meidet, kann schlechtere Werte bekommen, weil sich der Körper darauf eingestellt hat.
- Kommen Sie nüchtern: In der Regel sollen mindestens acht Stunden ohne Essen und gesüßte Getränke vergangen sein. Wasser und ungesüßter Tee sind erlaubt.
- Planen Sie Zeit ein. Der Termin dauert etwa zwei bis drei Stunden.
Sagen Sie der Praxis vorab, welche Medikamente Sie einnehmen. Manche Mittel, etwa Kortison, beeinflussen den Blutzucker. Ob und wie etwas pausiert wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Setzen Sie nichts auf eigene Faust ab.
Ein Infekt, Fieber oder eine Magen-Darm-Erkrankung verfälschen das Ergebnis. Dann ist es besser, den Termin zu verschieben.
Der Ablauf Schritt für Schritt
- Zuerst wird der Nüchternwert gemessen. Dafür gibt es eine Blutentnahme, meist aus der Vene.
- Dann trinken Sie 75 Gramm Glukose, gelöst in etwa 250 bis 300 Millilitern Wasser, innerhalb weniger Minuten. Es schmeckt sehr süß, manche finden es eklig. Kühl getrunken geht es besser.
- Jetzt warten Sie. Zwei Stunden nach dem Trinken wird erneut Blut abgenommen. In manchen Praxen gibt es zusätzliche Messungen zwischendurch.
Während der Wartezeit bleiben Sie sitzen. Kein Spaziergang, kein Rauchen, kein Kaffee. Bewegung senkt den Blutzucker und würde das Ergebnis verzerren. Nehmen Sie ein Buch mit.
Etwas Übelkeit, Schwindel oder Schwitzen kommen vor. Meldet sich der Kreislauf, sagen Sie es dem Personal sofort.
Wie die Werte eingeordnet werden
Entscheidend ist vor allem der Zwei-Stunden-Wert. Die Einteilung folgt der Weltgesundheitsorganisation und der American Diabetes Association:
- Unter 140 mg/dl (7,8 mmol/l): unauffällig.
- 140 bis 199 mg/dl (7,8 bis 11,0 mmol/l): gestörte Glukosetoleranz, eine Form des Prädiabetes.
- Ab 200 mg/dl (11,1 mmol/l): Hinweis auf Diabetes.
Beim Nüchternwert liegt die Grenze für Diabetes bei 126 mg/dl (7,0 mmol/l). Bei erhöhten Werten wird die Diagnose in der Regel mit einer zweiten Messung abgesichert, außer es bestehen eindeutige Beschwerden. Ein einzelner Test ist eine Momentaufnahme.
Ein auffälliges Ergebnis ist kein Urteil. Bei gestörter Glukosetoleranz zeigen große Studien, dass Gewichtsabnahme und mehr Bewegung das Risiko für Typ-2-Diabetes deutlich senken. Mehr dazu im Beitrag zu Prädiabetes und zur Ernährung bei Prädiabetes.
Der Sonderfall Schwangerschaft
In der Schwangerschaft wird der Test routinemäßig angeboten, um einen Schwangerschaftsdiabetes zu finden. In Deutschland ist dafür zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche zunächst ein Suchtest mit 50 Gramm Glukose vorgesehen, bei dem Sie nicht nüchtern sein müssen. Fällt er auffällig aus, folgt der beschriebene oGTT mit 75 Gramm. Die Grenzwerte sind strenger als bei Nicht-Schwangeren und werden von der Frauenarztpraxis erklärt. Ein Schwangerschaftsdiabetes ist gut behandelbar, wichtig ist, ihn zu erkennen.
Wann der Test nicht passt
Bei bereits bekanntem Diabetes oder eindeutig stark erhöhten Nüchternwerten ist der Test meist überflüssig. Nach bestimmten Magenoperationen kann die Zuckerlösung zu Kreislaufproblemen führen, dann wird die Praxis eine Alternative wählen. Sprechen Sie solche Vorgeschichten vorab an.
Wann Sie zum Arzt sollten
Gehen Sie zeitnah in die Praxis, wenn Sie über Wochen starken Durst haben, häufig Wasser lassen, ungewollt abnehmen oder dauernd müde sind. Das kann auf einen Diabetes hindeuten, auch ohne Test.
Bei Verwirrtheit, tiefer, schneller Atmung oder starkem Erbrechen rufen Sie die 112 an.
Häufige Fragen
Tut der Test weh?
Nur die Blutentnahmen, und die sind kurz. Unangenehmer ist meist die Süße des Getränks.
Kann ich einen Apfel essen, wenn ich Hunger habe?
Nein. Nüchtern heißt nüchtern. Wer vorher isst, verfälscht den Ausgangswert.
Wie oft sollte der Test wiederholt werden?
Das hängt vom Ergebnis und Ihrem Risiko ab. Bei Prädiabetes sind Kontrollen in Abständen üblich, die die Praxis festlegt.
Reicht ein Heimmessgerät statt des Tests?
Nein. Handgeräte sind für die Diagnose zu ungenau. Die Werte müssen im Labor bestimmt werden.
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Dieser Artikel dient nur der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Quellen
- American Diabetes Association: Classification and Diagnosis of Diabetes: Standards of Care in Diabetes 2024. Diabetes Care 2024;47(Suppl 1).
- World Health Organization / International Diabetes Federation: Definition and diagnosis of diabetes mellitus and intermediate hyperglycaemia. Genf 2006.
- Knowler W. C. et al.: Reduction in the incidence of type 2 diabetes with lifestyle intervention or metformin (Diabetes Prevention Program). New England Journal of Medicine 2002;346(6):393–403.