Auf dem Display steht 138/87, und schon geht das Grübeln los. Ist das noch in Ordnung? Muss ich mir Sorgen machen? Der Arzt hat beim letzten Mal nur „ganz okay“ gesagt. Zwei Zahlen, ein Schrägstrich, und kaum jemand weiß genau, was dahintersteckt. Dabei lässt sich das Wichtigste in wenigen Minuten klären.

Was die beiden Zahlen messen
Die erste, höhere Zahl ist der systolische Wert. Er entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht und das Blut in die Gefäße presst. Die zweite ist der diastolische Wert, der Druck in der Pause zwischen zwei Schlägen, wenn das Herz sich wieder füllt. Angegeben wird beides in Millimeter Quecksilbersäule, kurz mmHg.
Wie hoch die Zahlen ausfallen, hängt von der Elastizität der Gefäße ab, von der Pumpleistung des Herzens und vom Blutvolumen. Beide Werte zählen. Bei jüngeren Menschen ist oft vor allem der untere Wert erhöht, im höheren Alter steigt meist der obere, weil die Gefäße steifer werden.
Die Einteilung nach europäischen Leitlinien
In Deutschland orientieren sich Ärztinnen und Ärzte an der Einteilung der europäischen Fachgesellschaften für Hypertonie (ESC/ESH). Sie gilt für Messungen in der Praxis und unterscheidet diese Bereiche:
- Optimal: unter 120/80 mmHg
- Normal: 120–129 / 80–84 mmHg
- Hochnormal: 130–139 / 85–89 mmHg
- Bluthochdruck Grad 1: 140–159 / 90–99 mmHg
- Bluthochdruck Grad 2: 160–179 / 100–109 mmHg
- Bluthochdruck Grad 3: ab 180 / ab 110 mmHg
Es genügt, wenn einer der beiden Werte in einen Bereich fällt. Liegt der obere Wert bei 150 und der untere bei 82, gilt die Einstufung nach dem höheren Wert. Bleibt der untere Wert unter 90 und der obere steigt auf 140 oder mehr, sprechen Fachleute von einer isolierten systolischen Hypertonie.
Zurück zu 138/87: Das ist hochnormal. Kein Alarm, aber ein Grund, den Wert im Blick zu behalten und die Alltagsgewohnheiten anzuschauen.
Eine einzelne Messung sagt wenig
Der Blutdruck schwankt im Lauf des Tages, mit jedem Treppenhaus, jedem Telefonat, jedem Kaffee. Nachts sinkt er, kurz nach dem Aufwachen steigt er. Deshalb wird Bluthochdruck nicht an einem einzigen Wert festgemacht. Ärzte wollen mehrere Messungen an verschiedenen Terminen sehen, oft ergänzt durch Selbstmessungen oder eine 24-Stunden-Messung.
Wie Sie zu Hause sauber messen, steht in unserem Beitrag Blutdruck zu Hause richtig messen. Wer ungenau misst, rechnet am Ende mit falschen Zahlen.
Praxis, Zuhause, 24 Stunden: Warum die Grenzen verschieden sind
Dieselbe Person hat je nach Situation unterschiedliche Werte, und deshalb gelten je nach Messart andere Schwellen. Nach den ESC/ESH-Leitlinien liegt die Grenze zum Bluthochdruck:
- in der Praxis bei 140/90 mmHg,
- bei der Selbstmessung zu Hause im Durchschnitt bei 135/85 mmHg,
- bei der 24-Stunden-Messung im Tagesdurchschnitt bei 135/85 und im Durchschnitt über den ganzen Tag bei 130/80 mmHg.
Das erklärt auch eine häufige Verwirrung. Zeigt die Praxis 145/92 und zu Hause stellen sich 128/80 ein, spricht vieles für den Weißkittel-Effekt. Umgekehrt gibt es die maskierte Hypertonie: In der Praxis unauffällig, zu Hause dauerhaft zu hoch. Beides lässt sich nur mit Messungen außerhalb der Praxis erkennen.
Was ein erhöhter Wert bedeutet und was nicht
Ein Wert über der Grenze ist keine Diagnose. Erst wiederholte Messungen und ein ärztliches Gespräch entscheiden. Der Arzt schaut dann auch auf andere Dinge: Alter, Diabetes, Cholesterin, Rauchen, Nierenwerte, Familiengeschichte. Aus dieser Gesamtlage folgt, ob zunächst Gewohnheiten verändert werden oder ob Medikamente sinnvoll sind.
Hoher Blutdruck tut meist nicht weh. Viele merken über Jahre nichts, während die Gefäße, das Herz und die Nieren leise Schaden nehmen. Kopfdruck oder Ohrensausen sind keine verlässlichen Warnzeichen. Gerade deshalb lohnt sich das Messen, auch wenn es Ihnen gut geht.
Sie möchten verstehen, was langfristig dahintersteckt? Einen breiteren Überblick gibt der Artikel Bluthochdruck verstehen.
Und wenn der Wert zu niedrig ist?
Niedriger Blutdruck ist, anders als der hohe, oft spürbar: Schwindel beim Aufstehen, Schwarzwerden vor den Augen, Müdigkeit. Eine feste Grenze gibt es nicht. Entscheidend ist, ob Beschwerden da sind. Wer von Natur aus bei 105/65 liegt und sich wohlfühlt, hat in der Regel kein Problem.
Abklärungsbedürftig wird es, wenn die Werte neu und deutlich niedriger sind als sonst, wenn Sie stürzen oder fast ohnmächtig werden, oder wenn Sie Blutdruckmedikamente nehmen. Ändern Sie dann nichts selbst, sondern sprechen Sie mit der verordnenden Ärztin oder dem Arzt.
Wann Sie sofort zum Arzt sollten
Rufen Sie den Notruf 112, wenn ein stark erhöhter Wert mit einem dieser Zeichen zusammenkommt:
- starker Druck oder Schmerz in der Brust
- Atemnot
- plötzliche Lähmung, Taubheit oder hängender Mundwinkel
- Sprach- oder Sehstörung, die plötzlich auftritt
- sehr heftiger Kopfschmerz, wie Sie ihn noch nie hatten
- Ohnmacht oder Verwirrtheit
Ohne solche Beschwerden gilt: Messen Sie nach einer Pause erneut. Bleiben die Werte an mehreren Tagen erhöht, vereinbaren Sie bald einen Termin. Verordnete Medikamente setzen Sie nicht eigenmächtig ab.
Häufige Fragen
Ab wann ist der Blutdruck zu hoch?
Für die Praxis liegt die Grenze bei 140/90 mmHg, für den Durchschnitt der Selbstmessung zu Hause bei 135/85 mmHg. Einzelne Ausreißer zählen nicht. Maßgeblich sind wiederholte Messungen.
Ist der obere oder der untere Wert wichtiger?
Beide. Im höheren Alter wird der obere Wert meist als besonders aussagekräftig für das Herz-Kreislauf-Risiko angesehen, doch jeder der beiden kann die Einstufung bestimmen.
Warum ist mein Wert in der Praxis höher als zu Hause?
Aufregung und Zeitdruck treiben den Druck in der Praxis nach oben. Das ist verbreitet und hat einen Namen: Weißkittel-Effekt. Ob er bei Ihnen vorliegt, lässt sich mit Selbstmessungen oder einer 24-Stunden-Messung klären.
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Dieser Artikel dient nur der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Quellen
- Williams B. et al.: 2018 ESC/ESH Guidelines for the management of arterial hypertension. European Heart Journal 2018;39(33):3021–3104.
- Mancia G. et al.: 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension. Journal of Hypertension 2023;41(12):1874–2071.
- Deutsche Hochdruckliga e. V. DHL – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention: Patienteninformationen zur Blutdruckmessung.