Die Salzmühle steht auf dem Tisch, die Chipstüte daneben, und der Arzt hat gerade gesagt: „Ihr Blutdruck ist etwas zu hoch, schauen Sie mal auf Ihren Lebensstil.“ Klingt vernünftig. Nur: Wo fangen Sie an? Bei Salz, Sport, Gewicht, Alkohol, Stress? Hier ist die Reihenfolge, die in den Leitlinien tatsächlich eine Rolle spielt.

Frisches Gemüse kochen und Wanderschuhe an der Tür: Alltag mit gesundem Blutdruck

Was Alltagsänderungen leisten können, und was nicht

Die europäischen Leitlinien zur Hypertonie nennen Lebensstiländerungen als Grundlage jeder Behandlung. Bei hochnormalen Werten und bei Bluthochdruck Grad 1 ohne weitere Risikofaktoren sind sie oft der erste Schritt. Bei höheren Werten oder zusätzlichen Erkrankungen kommen sie zu Medikamenten dazu und können die nötige Dosis mitunter senken.

Was sie nicht können: eine ärztlich verordnete Therapie ersetzen. Wer Blutdrucktabletten nimmt, setzt sie nicht ab, weil der Wert nach drei Wochen Spaziergängen besser aussieht. Das klären Sie mit der Ärztin oder dem Arzt.

Salz: der Hebel, den viele unterschätzen

Die Leitlinien empfehlen, nicht mehr als etwa 5 Gramm Kochsalz am Tag zu essen. Das ist ungefähr ein gestrichener Teelöffel, und zwar alles zusammen. Der größere Teil steckt nicht im Salzstreuer, sondern in Fertigprodukten: Brot, Wurst, Käse, Suppen aus der Tüte, Pizza, Soßen.

Wer an den Streuer greift, hat also das kleinere Problem. Hilfreicher ist ein Blick auf die Zutatenliste. Angegeben wird dort meist „Salz“ in Gramm pro 100 Gramm. Ein paar Stellschrauben:

  • Frisch kochen, wann immer es geht, und mit Kräutern, Zitrone, Knoblauch oder Pfeffer würzen.
  • Bei Brot und Aufschnitt Sorten mit weniger Salz wählen. Der Unterschied zwischen Marken ist beträchtlich.
  • Salz am Tisch erst nach dem Probieren nachlegen, nicht vorher.

Der Geschmack stellt sich um. Nach einigen Wochen schmecken viele Gerichte, die vorher normal waren, plötzlich versalzen.

Bewegung: Ausdauer zuerst

Regelmäßige Ausdauerbewegung senkt den Blutdruck, auch ohne dass sich das Körpergewicht verändert. Die europäischen Leitlinien nennen als Ziel mindestens 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche, also etwa 30 Minuten an fünf Tagen. Moderat heißt: Sie kommen etwas außer Atem, können sich aber noch unterhalten.

Wichtig ist, dass es zu Ihnen passt. Zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen oder Tanzen zählen genauso wie Joggen. Wer lange nichts gemacht hat, beginnt mit zehn Minuten am Tag und steigert sich. Auch Krafttraining kann den Blutdruck günstig beeinflussen, ergänzt die Ausdauer aber nur.

Ein Einstieg für alle, die bisher eher auf dem Sofa saßen, steht in unserem Beitrag Bewegung statt Bettruhe. Der Text handelt von Rückenschmerzen, doch der Grundgedanke gilt hier genauso: lieber früh anfangen und klein bleiben als erst warten, bis alles passt.

Mit Beschwerden in der Brust, bekannter Herzerkrankung oder sehr hohen Werten klären Sie vor dem Training mit der Ärztin oder dem Arzt, was für Sie sinnvoll ist.

Gewicht: schon wenige Kilo zählen

Mit jedem Kilo weniger sinkt im Schnitt auch der Blutdruck, das zeigen Studien. Die Leitlinien empfehlen für Menschen mit Übergewicht, abzunehmen und das neue Gewicht zu halten. Als Richtwerte gelten ein BMI zwischen 20 und 25 und ein Taillenumfang unter 94 Zentimetern bei Männern und unter 80 Zentimetern bei Frauen.

Das klingt weit weg, wenn Sie bei 95 Kilo stehen. Muss es nicht sein: Ein Anfang von drei bis fünf Kilo wirkt schon. Radikale Diäten sind dafür nicht nötig, und sie halten selten. Mehr zu Übergewicht und seinen Folgen lesen Sie im Beitrag Übergewicht und Adipositas.

Essen insgesamt: mehr Gemüse, weniger Fertiges

Neben dem Salz zählt das Gesamtbild. Die Leitlinien empfehlen eine Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkorn, Nüssen und Fisch und wenig verarbeitetem Fleisch, Zucker und gesüßten Getränken. Das entspricht im Kern der mediterranen Küche und dem DASH-Konzept, das für „Dietary Approaches to Stop Hypertension“ steht.

Kalium aus Gemüse und Obst wirkt dem Salz entgegen. Bei Nierenerkrankungen oder bestimmten Medikamenten kann zu viel Kalium aber gefährlich werden. Fragen Sie in dem Fall vorher nach, bevor Sie Ihre Ernährung stark umstellen oder Kaliumpräparate nehmen.

Alkohol, Rauchen, Stress

Alkohol erhöht den Blutdruck, je mehr, desto stärker. Die europäischen Leitlinien raten, bei Männern auf höchstens 14 Einheiten pro Woche zu kommen, bei Frauen auf höchstens 8. Eine Einheit entspricht etwa 125 Milliliter Wein oder 250 Milliliter Bier. Weniger ist besser, gar nichts ist am besten.

Rauchen hebt den Blutdruck zwar nur kurz an, schädigt aber die Gefäße dauerhaft und erhöht das Herz-Kreislauf-Risiko deutlich. Hilfe beim Aufhören bekommen Sie in der Hausarztpraxis.

Dauerstress und schlechter Schlaf treiben den Druck ebenfalls nach oben. Ein Patentrezept gibt es nicht, aber feste Pausen, genug Schlaf und Bewegung an der frischen Luft helfen vielen. Mehr dazu im Beitrag Stressmanagement und Burnout-Prävention.

Wie Sie merken, ob es wirkt

Verlassen Sie sich nicht aufs Gefühl. Hoher Blutdruck macht meist keine Beschwerden, und er wird auch nicht spürbar besser. Messen Sie zu Hause regelmäßig und notieren Sie die Werte. Wie das sauber geht, steht in Blutdruck zu Hause richtig messen. Wenn Sie die Einordnung der Zahlen brauchen, hilft Blutdruckwerte verstehen.

Realistisch ist eine Zeitspanne von einigen Wochen bis Monaten. Zeigen die Werte nach drei Monaten konsequenter Umstellung keine Veränderung oder liegen sie weiter im Bereich Grad 1 oder höher, sprechen Sie mit der Ärztin oder dem Arzt über die nächsten Schritte.

Wann Sie zum Arzt sollten

Rufen Sie den Notruf 112, wenn ein stark erhöhter Wert zusammen mit einem dieser Zeichen auftritt:

  • Druck oder Schmerz in der Brust
  • Atemnot
  • plötzliche Lähmung, Taubheit oder hängender Mundwinkel
  • plötzliche Sprach- oder Sehstörung
  • sehr heftiger Kopfschmerz, wie Sie ihn noch nie hatten

Ohne solche Zeichen gilt: Liegen die Werte an mehreren Tagen über 140/90 mmHg (Praxis) oder über 135/85 mmHg (zu Hause), vereinbaren Sie zeitnah einen Termin. Verordnete Medikamente setzen Sie nicht selbst ab.

Häufige Fragen

Wie schnell sinkt der Blutdruck durch Lebensstiländerungen?

Das ist individuell verschieden. Erste Effekte zeigen sich oft nach einigen Wochen, ihr volles Ausmaß nach Monaten. Entscheidend ist, dass Sie dranbleiben, denn der Effekt hält nur an, solange die Gewohnheiten bleiben.

Reicht es, nur Salz wegzulassen?

Weniger Salz hilft, aber meistens bringt die Kombination mehr: etwas weniger Salz, regelmäßige Bewegung, ein paar Kilo weniger, wenig Alkohol. Wählen Sie ein bis zwei Dinge aus und legen Sie los, statt alles gleichzeitig zu wollen.

Senken Hausmittel wie Knoblauch oder Rote-Bete-Saft den Druck?

Für einzelne Lebensmittel ist die Datenlage dünn. Gemüse und Obst im Alltag sind sinnvoll, ein Wundermittel gibt es aber nicht. Verlassen Sie sich nicht auf ein einzelnes Produkt, wenn Ihr Blutdruck dauerhaft erhöht ist.

Lesen Sie auch

Dieser Artikel dient nur der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quellen

  1. Williams B. et al.: 2018 ESC/ESH Guidelines for the management of arterial hypertension. European Heart Journal 2018;39(33):3021–3104.
  2. Mancia G. et al.: 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension. Journal of Hypertension 2023;41(12):1874–2071.
  3. Deutsche Hochdruckliga e. V. DHL – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention: Patienteninformationen zu Bluthochdruck und Lebensstil.