Morgens 118/76, mittags nach dem Treppensteigen 152/94, abends vor dem Fernseher wieder 125/80. Wer sich zu Hause mit dem Messgerät auf den Wohnzimmertisch setzt, merkt schnell: Der Blutdruck ist keine feste Zahl. Das ist normal. Entscheidend ist, wie Sie messen, denn davon hängt ab, ob Ihre Werte dem Arzt etwas sagen oder nur verunsichern.

Warum Messen zu Hause oft mehr aussagt als die Praxis
In der Arztpraxis steigt bei manchen Menschen der Druck allein durch die Situation: weißer Kittel, Wartezimmer, Zeitdruck. Fachleute sprechen vom Weißkittel-Effekt. Umgekehrt gibt es Menschen, die in der Praxis unauffällig sind und zu Hause erhöhte Werte haben.
Messungen im eigenen Alltag zeigen ein Bild über viele Tage statt einer einzelnen Momentaufnahme. Deshalb empfehlen die europäischen Leitlinien die Selbstmessung ausdrücklich als Ergänzung zur Praxismessung, sowohl zur Diagnose als auch zur Kontrolle einer Behandlung.
Das richtige Gerät
Für den Alltag eignet sich ein Oberarmgerät. Handgelenkgeräte sind empfindlicher gegenüber Haltungsfehlern und liefern deshalb häufiger falsche Werte. Fingergeräte sind für die Heimmessung nicht zu empfehlen.
- Geprüfte Genauigkeit: Achten Sie darauf, dass das Gerät in einer unabhängigen Validierungsstudie getestet wurde. Die Deutsche Hochdruckliga vergibt dafür ein Prüfsiegel und führt eine Liste geprüfter Geräte.
- Passende Manschette: Ist sie zu schmal, zeigt das Gerät zu hohe Werte an. Messen Sie den Oberarmumfang und wählen Sie die Größe danach. Bei kräftigen Oberarmen reicht die Standardmanschette oft nicht.
- Einfache Bedienung: Ein großes Display und ein Speicher erleichtern das Protokoll. Gerät und Manschette sollten zueinander gehören.
Vor der Messung: fünf Minuten Ruhe
Die meisten Fehlmessungen entstehen in den Minuten davor. Wer gerade die Treppe hochgekommen ist, den Hund versorgt hat oder sich über eine Nachricht ärgert, misst höhere Werte als sein tatsächlicher Ruhedruck.
- Setzen Sie sich mindestens fünf Minuten ruhig hin, ohne Handy und Gespräch.
- Vor der Messung rund eine halbe Stunde keinen Kaffee, keine Zigarette und keinen Sport.
- Gehen Sie vorher zur Toilette, denn eine volle Blase kann die Werte anheben.
- Legen Sie den Oberarm frei. Ein hochgekrempelter Ärmel, der den Arm abschnürt, verfälscht das Ergebnis.
Die Haltung: So sitzen Sie richtig
Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl, die Rückenlehne stützt Sie, beide Füße stehen flach auf dem Boden. Beine nicht übereinanderschlagen. Der Arm ruht auf einem Tisch, die Manschette liegt etwa auf Herzhöhe, ungefähr in der Mitte des Brustbeins. Liegt der Arm zu tief, fallen die Werte zu hoch aus.
Die Manschette sitzt direkt auf der Haut am Oberarm, mit dem unteren Rand ein bis zwei Zentimeter über der Ellenbeuge. Der Schlauch zeigt in Richtung Handfläche. Während das Gerät misst, atmen Sie ruhig und sprechen nicht. Schon ein kurzes Gespräch kann den Wert spürbar erhöhen.
Wie oft und wann messen?
Ein einzelner Wert hilft nicht weiter. Üblich ist ein festes Schema über eine Woche:
- Messen Sie sieben Tage lang jeweils morgens und abends, morgens vor dem Frühstück und vor der Einnahme verordneter Medikamente.
- Führen Sie bei jeder Gelegenheit zwei Messungen im Abstand von ein bis zwei Minuten durch.
- Notieren Sie beide Werte und den Puls. Eine Tabelle auf Papier genügt.
- Bilden Sie am Ende den Durchschnitt. Die Werte des ersten Tages lassen Fachleute gern weg, weil man am Anfang meist angespannter misst.
Beim ersten Mal lohnt es sich außerdem, an beiden Armen zu messen. Sind die Unterschiede dauerhaft deutlich, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Danach messen Sie am Arm mit den höheren Werten.
Welche Werte als auffällig gelten
Zu Hause gelten etwas niedrigere Grenzen als in der Praxis, weil die Umgebung entspannter ist. Nach den europäischen Leitlinien liegt die Grenze zum Bluthochdruck bei der Praxismessung bei 140/90 mmHg, bei der Selbstmessung im Durchschnitt bei 135/85 mmHg.
Ein Durchschnitt über dieser Marke ist noch keine Diagnose. Er ist ein Grund, die Werte ärztlich einordnen zu lassen, möglicherweise mit einer Langzeitmessung über 24 Stunden. Mehr zu Ursachen und Behandlung finden Sie in unserem Überblick Bluthochdruck verstehen.
Typische Fehler und ihre Folgen
- Zu kurze Pause vor der Messung: Werte meist zu hoch.
- Manschette zu klein oder über dicker Kleidung: Werte zu hoch.
- Arm hängt herunter: Werte zu hoch. Arm hoch über Herzhöhe: Werte zu niedrig.
- Beine überkreuzt, Rücken nicht gestützt: Werte steigen.
- Messen bei Schmerz, Stress oder nach dem Streit: Das Ergebnis spiegelt den Moment, nicht Ihren Alltag.
- Ständiges Nachmessen: Wer zehnmal am Tag misst, wird eher nervös als besser informiert. Ruhige Routine schlägt Kontrolle.
Wenn Sie ohnehin angespannt sind, hilft es mitunter, die Stressquellen im Alltag zu ordnen. Anregungen dazu bietet der Beitrag Stressmanagement und Burnout-Prävention.
Wann Sie sofort zum Arzt sollten
Ein hoher Wert allein ist selten ein Notfall. Gefährlich wird es in Verbindung mit Beschwerden. Rufen Sie den Notruf 112, wenn zu einem stark erhöhten Wert eines dieser Zeichen kommt:
- Starker Brustschmerz oder Druckgefühl in der Brust
- Atemnot
- Plötzliche Lähmung, Taubheit oder hängender Mundwinkel
- Sprachstörung oder plötzliche Sehstörung
- Sehr heftiger, ungewohnter Kopfschmerz
Ohne solche Beschwerden gilt: Wiederholen Sie die Messung nach einer Pause von einigen Minuten. Bleiben die Werte mehrere Tage deutlich erhöht, vereinbaren Sie zeitnah einen Termin. Setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenmächtig ab oder um. Das entscheidet allein der Arzt. Ebenso bedürfen sehr niedrige Werte mit Schwindel oder Ohnmacht einer ärztlichen Abklärung.
Häufige Fragen
Welcher Arm ist der richtige?
Beim ersten Mal messen Sie beide Arme. Danach bleiben Sie bei dem Arm mit den höheren Werten. Kleine Unterschiede bis etwa 10 mmHg sind nicht ungewöhnlich.
Soll ich vor dem Frühstück oder danach messen?
Für die Kontrolle ist die Messung morgens vor Frühstück und Medikamenteneinnahme gebräuchlich. Wichtig ist vor allem, dass Sie jeden Tag zu ähnlichen Zeiten messen, damit die Werte vergleichbar bleiben.
Mein Gerät zeigt bei jeder Messung etwas anderes an. Ist es defekt?
Schwankungen von einigen mmHg zwischen zwei Messungen sind normal, denn der Blutdruck verändert sich mit jedem Herzschlag und Atemzug. Bringen Sie das Gerät beim nächsten Arztbesuch mit und lassen Sie es mit der Praxismessung vergleichen.
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Dieser Artikel dient nur der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Quellen
- Williams B. et al.: 2018 ESC/ESH Guidelines for the management of arterial hypertension. European Heart Journal 2018;39(33):3021–3104.
- Mancia G. et al.: 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension. Journal of Hypertension 2023;41(12):1874–2071.
- Deutsche Hochdruckliga e. V. DHL – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention: Patienteninformationen zur Blutdruckselbstmessung und Prüfsiegel für validierte Blutdruckmessgeräte.