Das Messgerät zeigt 152/94, und Sie wissen nicht, ob das ein Fall für den Notruf, für morgen früh oder für die nächste Routinekontrolle ist. Die Antwort hängt von zwei Dingen ab: wie hoch der Wert liegt und wie Sie sich dabei fühlen. Hier steht, wie Sie beides einordnen.

Ein einzelner hoher Wert ist noch keine Diagnose
Der Blutdruck schwankt den ganzen Tag. Aufregung, Treppensteigen, Kaffee, eine volle Blase oder Schmerzen schieben ihn nach oben. Ein einzelner Ausreißer heißt deshalb wenig. Die europäischen Leitlinien stellen die Diagnose erst, wenn der Wert bei wiederholten Messungen erhöht bleibt, meist an mehr als einem Termin.
Als Grenze gelten in der Praxis 140/90 mmHg. Bei der Selbstmessung zu Hause liegt sie niedriger, bei 135/85 mmHg. Wie Sie dazu kommen, steht in Blutdruck zu Hause richtig messen, und was die beiden Zahlen bedeuten, in Blutdruckwerte verstehen.
Sofort handeln: Notruf 112
Bei sehr hohen Werten kommt es nicht auf die Zahl allein an, sondern auf die Begleitzeichen. Rufen Sie den Notruf 112, wenn ein deutlich erhöhter Wert zusammen mit einem dieser Zeichen auftritt:
- Druck, Enge oder Schmerz in der Brust, auch wenn er in Arm, Kiefer oder Rücken zieht
- Atemnot in Ruhe
- plötzliche Schwäche oder Taubheit auf einer Körperseite, hängender Mundwinkel
- plötzliche Sprach- oder Sehstörung, Verwirrtheit
- ein Kopfschmerz, wie Sie ihn noch nie hatten
- Krampfanfall oder Bewusstseinstrübung
Warten Sie dann nicht ab, ob es von selbst besser wird. Und fahren Sie nicht selbst.
Sehr hoch, aber keine Beschwerden
Dieser Fall ist häufiger, und er verunsichert viele. Die Werte liegen etwa bei 180/110 mmHg oder darüber, doch Sie fühlen sich normal. Die Leitlinien unterscheiden hier: Ohne Zeichen eines akuten Organschadens ist es kein Notfall, aber auch nichts, was Sie auf die lange Bank schieben sollten.
Setzen Sie sich ruhig hin, warten Sie einige Minuten und messen Sie erneut, am anderen Arm mit passender Manschette. Bleibt der Wert hoch, rufen Sie noch am selben Tag in der Hausarztpraxis an oder wenden Sie sich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Verordnete Tabletten nehmen Sie wie vorgesehen. Zusätzliche Tabletten auf eigene Faust sind keine gute Idee, weil ein zu schneller Abfall selbst Beschwerden und Schaden verursachen kann.
Zeitnah zum Termin: Werte, die sich halten
Für die meisten Menschen sieht der Alltag anders aus. Die Werte liegen nicht bei 190, sondern bei 145 bis 160 zu 90 bis 100, und das an mehreren Tagen. Das ist kein Grund zur Eile, aber einer, einen Termin zu machen. Es genügt, wenn er innerhalb der nächsten ein bis zwei Wochen liegt.
Gehen Sie auch dann hin, wenn Sie sich gut fühlen. Hoher Blutdruck tut meist nicht weh. Er schädigt Gefäße, Herz, Nieren und Augen leise über Jahre, und gerade deshalb fällt er oft erst bei einer Kontrolle auf.
Wann der Arzttermin eher früher sein sollte
Ein zügiger Termin ist sinnvoll, wenn zum erhöhten Blutdruck noch etwas hinzukommt:
- Sie sind schwanger. Hoher Blutdruck in der Schwangerschaft gehört immer in ärztliche Hand, besonders mit Kopfschmerz, Sehstörungen, Oberbauchschmerz oder plötzlich geschwollenen Händen und Gesicht.
- Sie haben Diabetes, eine Nierenerkrankung oder bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hinter sich.
- Der Blutdruck ist trotz verordneter Medikamente dauerhaft erhöht oder schwankt stark.
- Sie sind jünger als 40 und haben hohe Werte, ohne dass Übergewicht oder Familiengeschichte eine Erklärung liefern. Dann suchen Ärztinnen und Ärzte gezielt nach Ursachen, etwa an den Nieren oder bei den Hormonen.
- Neue Medikamente, zum Beispiel Schmerzmittel gegen Entzündung oder die Pille, fallen zeitlich mit dem Anstieg zusammen.
Was beim Termin passiert
Viele sagen, der Gang zur Praxis sei unangenehmer als der Wert selbst. Dabei ist der Ablauf unspektakulär. Die Ärztin oder der Arzt misst mehrfach, fragt nach Vorerkrankungen, Medikamenten, Ernährung, Alkohol und Rauchen und hört Herz und Lunge ab. Meist folgen Blut- und Urinuntersuchungen, die auch zeigen, ob die Nieren belastet sind, und ein EKG.
Manchmal schlägt die Praxis eine 24-Stunden-Messung vor. Ein Gerät am Oberarm misst dann Tag und Nacht in festen Abständen. Das ist der genaueste Weg, einen echten Bluthochdruck vom Praxis-Effekt zu trennen, bei dem die Werte allein beim Anblick des weißen Kittels steigen.
Was Sie mitbringen sollten
Je besser die Unterlagen, desto weniger rätselt die Praxis. Hilfreich sind:
- ein Protokoll Ihrer Heimmessungen über etwa eine Woche, morgens und abends, mit Datum und Uhrzeit
- Ihr Blutdruckgerät, falls Sie die Genauigkeit prüfen lassen möchten
- eine Liste aller Medikamente und Präparate, auch rezeptfreier
- ein Hinweis auf Herzinfarkt oder Schlaganfall bei nahen Verwandten und das Alter, in dem es passiert ist
Wer zuerst selbst etwas verändern möchte, findet Ansatzpunkte in Blutdruck senken im Alltag. Das ersetzt den Termin nicht, es ergänzt ihn.
Häufige Fragen
Muss ich bei einem Wert von 150/95 gleich in die Notaufnahme?
Nein, solange Sie keine Beschwerden wie Brustschmerz, Atemnot, Lähmungszeichen oder starken Kopfschmerz haben. Messen Sie in Ruhe nach und vereinbaren Sie einen Termin in der Hausarztpraxis.
Kann ich Blutdrucktabletten einfach absetzen, wenn die Werte gut sind?
Nein. Gute Werte unter Therapie zeigen gerade, dass die Behandlung wirkt. Wenn Sie Tabletten reduzieren oder absetzen möchten, besprechen Sie das vorher mit der Ärztin oder dem Arzt.
Wie oft sollte ich zur Kontrolle, wenn ich Bluthochdruck habe?
Das legt die behandelnde Praxis fest. Anfangs sind die Abstände kurz, bis die Einstellung passt, danach reichen oft Kontrollen alle paar Monate. Messen Sie zwischendurch zu Hause und bringen Sie die Werte mit.
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Dieser Artikel dient nur der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Quellen
- Williams B. et al.: 2018 ESC/ESH Guidelines for the management of arterial hypertension. European Heart Journal 2018;39(33):3021–3104.
- Mancia G. et al.: 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension. Journal of Hypertension 2023;41(12):1874–2071.
- Deutsche Hochdruckliga e. V. DHL – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention: Patienteninformationen zu Bluthochdruck.