Eine falsche Bewegung beim Bücken, Heben oder Drehen – und plötzlich schießt ein heftiger Schmerz in den unteren Rücken. Viele können sich danach kaum noch aufrichten. Der Hexenschuss wirkt bedrohlich, ist aber in den allermeisten Fällen harmlos und bessert sich innerhalb weniger Tage bis Wochen von selbst. Dieser Artikel erklärt, was dabei im Rücken geschieht, was Sie in den ersten Tagen selbst tun können, was eher schadet und bei welchen Anzeichen Sie nicht abwarten sollten.

Was ein Hexenschuss ist
„Hexenschuss“ ist kein medizinischer Fachbegriff, sondern die volkstümliche Bezeichnung für plötzlich einsetzende, starke Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule. Ärzte sprechen von einer akuten Lumbalgie oder von akuten Kreuzschmerzen. Typisch ist:
- Der Schmerz setzt schlagartig ein, oft bei einer alltäglichen Bewegung.
- Er sitzt im unteren Rücken, meist einseitig oder gürtelförmig, und kann bis ins Gesäß ziehen.
- Die Rückenmuskulatur verhärtet sich spürbar.
- Betroffene nehmen unwillkürlich eine Schonhaltung ein, häufig leicht vorgebeugt oder zur Seite geneigt.
- Bewegungen wie Aufstehen, Bücken, Husten oder Niesen verstärken den Schmerz.
Wichtig ist die Abgrenzung: Beim Hexenschuss bleibt der Schmerz im Rücken. Zieht er dagegen bis in den Unterschenkel oder Fuß, begleitet von Kribbeln, Taubheit oder Schwäche im Bein, kann eine Nervenwurzel gereizt sein. Das sollte ärztlich abgeklärt werden.
Warum der Schmerz so plötzlich kommt
Die genaue Ursache lässt sich im Einzelfall meist nicht feststellen. Deshalb zählt der Hexenschuss zu den nicht-spezifischen Kreuzschmerzen: Es findet sich keine einzelne geschädigte Struktur, die gezielt behandelt werden müsste. Als Auslöser gelten vor allem Muskelverspannungen und eine kurzzeitige Überlastung von Muskeln, Bändern oder kleinen Wirbelgelenken. Der Körper reagiert darauf mit einer schützenden Anspannung der Muskulatur – und genau diese Verkrampfung ist es, die so stark schmerzt.
Begünstigt wird ein Hexenschuss durch:
- wenig Bewegung und langes Sitzen in derselben Haltung;
- ungewohnte körperliche Belastung, etwa Gartenarbeit oder ein Umzug;
- Heben schwerer Gegenstände mit gebeugtem, verdrehtem Rücken;
- anhaltenden Stress und seelische Anspannung, die den Muskeltonus erhöhen.
Die Stärke des Schmerzes sagt übrigens wenig über die Schwere der Ursache aus. Auch ein sehr heftiger Hexenschuss bedeutet in aller Regel nicht, dass an der Wirbelsäule etwas „kaputt“ ist.
Was in den ersten Tagen hilft
Kurz entlasten, dann wieder bewegen
Unmittelbar nach dem Einschießen des Schmerzes darf eine kurze Pause sein. Viele empfinden die Stufenlagerung als angenehm: Sie liegen auf dem Rücken und legen die Unterschenkel im rechten Winkel auf einen Stuhl oder mehrere Kissen. Das entlastet die Lendenwirbelsäule für einige Minuten.
Bleiben Sie aber nicht liegen. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz rät ausdrücklich von Bettruhe ab und empfiehlt, die gewohnte körperliche Aktivität so weit wie möglich beizubehalten. Wer sich tagelang schont, wird nicht schneller gesund, sondern riskiert, dass die Beschwerden länger anhalten. Beginnen Sie mit kurzen Wegen in der Wohnung und kleinen Spaziergängen, wechseln Sie häufig die Position und steigern Sie die Belastung Schritt für Schritt.
Wärme
Wärme lockert die verkrampfte Muskulatur und wird von den meisten als wohltuend empfunden. Geeignet sind Wärmflasche, Körnerkissen, Wärmepflaster oder ein warmes Bad. Die Leitlinie nennt Wärme als Möglichkeit der Selbstbehandlung – am besten in Verbindung mit Bewegung, nicht als Ersatz dafür. Kälteanwendungen werden bei Kreuzschmerzen dagegen nicht empfohlen.
Schmerzmittel
Schmerzmittel heilen den Hexenschuss nicht, können aber helfen, wieder in Bewegung zu kommen. In Frage kommen in erster Linie entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Sie sollten so kurz wie möglich und so niedrig dosiert wie möglich eingenommen werden. Für Menschen mit Magen-, Nieren- oder Herzerkrankungen und bei Einnahme bestimmter anderer Medikamente sind sie nicht ohne Weiteres geeignet. Lassen Sie sich deshalb in der Arztpraxis oder Apotheke beraten, welches Mittel für Sie passt und wie lange Sie es anwenden dürfen.
Alltag anpassen statt unterbrechen
- Stehen Sie aus dem Bett über die Seite auf: erst auf die Seite drehen, dann die Beine über die Bettkante schieben und sich mit den Armen hochdrücken.
- Vermeiden Sie in den ersten Tagen schweres Heben und ruckartige Drehbewegungen.
- Sitzen Sie nicht stundenlang. Stehen Sie regelmäßig auf und gehen Sie ein paar Schritte.
- Bewegen Sie sich im schmerzarmen Bereich – ein leichtes Ziehen ist in Ordnung, deutlich zunehmender Schmerz ist ein Signal, es langsamer anzugehen.
Was eher nicht hilft
Manche verbreiteten Maßnahmen bringen bei akuten nicht-spezifischen Kreuzschmerzen keinen belegten Vorteil oder können den Verlauf sogar ungünstig beeinflussen:
- Bettruhe über mehrere Tage;
- Spritzen mit Schmerzmitteln oder anderen Wirkstoffen in den Rücken oder in den Muskel;
- Stützkorsetts und Bandagen, die den Rücken ruhigstellen;
- frühe Röntgen-, CT- oder MRT-Aufnahmen ohne Warnzeichen. Sie zeigen häufig Veränderungen, die auch Menschen ohne Beschwerden haben, erklären den Schmerz meist nicht und ändern die Behandlung nicht.
Wann Sie sofort zum Arzt sollten
Hinter plötzlichen Rückenschmerzen steckt nur selten etwas Ernstes. Bestimmte Warnzeichen müssen aber rasch abgeklärt werden. Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe oder wählen Sie den Notruf 112, wenn zusätzlich zum Rückenschmerz Folgendes auftritt:
- Taubheitsgefühl im Genital- oder Analbereich oder an den Innenseiten der Oberschenkel;
- plötzliche Probleme, Urin oder Stuhl zu halten, oder die Blase lässt sich nicht mehr entleeren;
- Lähmungserscheinungen oder schnell zunehmende Schwäche in einem oder beiden Beinen;
- Schmerzen nach einem Sturz oder Unfall – bei Osteoporose oder längerer Kortisonbehandlung auch nach einer leichten Belastung;
- Fieber, Schüttelfrost oder starkes Krankheitsgefühl;
- Schmerzen, die in Ruhe und nachts zunehmen und sich in keiner Position bessern;
- ungewollter Gewichtsverlust oder eine Krebserkrankung in der Vorgeschichte.
In den nächsten Tagen sollten Sie eine Arztpraxis aufsuchen, wenn der Schmerz ins Bein ausstrahlt, wenn Kribbeln oder Taubheit im Bein hinzukommen, wenn Sie trotz Selbsthilfe Ihren Alltag nicht bewältigen können oder wenn nach einigen Tagen keine Besserung eintritt.
Wie es danach weitergeht
Bei den meisten Betroffenen lassen die Beschwerden innerhalb weniger Tage deutlich nach und sind nach einigen Wochen abgeklungen. Rückfälle kommen allerdings häufig vor. Den besten Schutz bietet regelmäßige Bewegung: Sie kräftigt die Rumpfmuskulatur und hält die Wirbelsäule beweglich. Welche Aktivität Sie wählen – Gehen, Radfahren, Schwimmen, Gymnastik – ist weniger wichtig, als dass Sie dauerhaft dabeibleiben.
Daneben lohnt ein Blick auf die Umstände, unter denen der Hexenschuss aufgetreten ist. Wer viel sitzt, profitiert von häufigen Haltungswechseln und kurzen Bewegungspausen. Auch seelische Belastungen spielen eine Rolle: Dauerstress und Schlafmangel können Rückenschmerzen begünstigen und ihre Dauer verlängern. Anregungen dazu finden Sie im Beitrag über Stressmanagement und Burnout-Prävention.
Halten die Schmerzen trotz Behandlung länger als vier bis sechs Wochen an, überprüft der Arzt die Diagnose erneut und bespricht mit Ihnen weitere Schritte, zum Beispiel eine angeleitete Bewegungstherapie.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Hexenschuss?
Der stärkste Schmerz lässt meist nach wenigen Tagen nach. Bis die Beschwerden ganz verschwunden sind, können einige Wochen vergehen. Eine verbindliche Dauer lässt sich nicht nennen, weil der Verlauf von Person zu Person verschieden ist.
Ist ein Hexenschuss ein Bandscheibenvorfall?
In der Regel nicht. Beim Hexenschuss bleibt der Schmerz im unteren Rücken. Für einen Bandscheibenvorfall mit Nervenreizung sprechen eher Schmerzen, die bis in Unterschenkel oder Fuß ausstrahlen, sowie Kribbeln, Taubheit oder Kraftverlust im Bein. Solche Beschwerden gehören ärztlich untersucht.
Darf ich mit Hexenschuss arbeiten?
Das hängt von der Stärke der Schmerzen und von Ihrer Tätigkeit ab. Grundsätzlich ist es günstig, möglichst bald zum gewohnten Alltag zurückzukehren. Bei körperlich schwerer Arbeit oder wenn Sie sich kaum bewegen können, entscheidet der Arzt, ob und wie lange eine Krankschreibung sinnvoll ist.
Wärme oder Kälte – was ist besser?
Wärme. Sie entspannt die Muskulatur und erleichtert Bewegung. Kälte wird in der Leitlinie bei Kreuzschmerzen nicht empfohlen.
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Dieser Artikel dient nur der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Quellen
- Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz – Langfassung, 2. Auflage. 2017. AWMF-Register-Nr. nvl-007.
- Robert Koch-Institut (Hrsg.). Rückenschmerzen. Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 53. Berlin: RKI; 2012.